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Kinderklinik

Direktor:
Prof. Dr. med. Joachim Wölfle
Uni-Klinikum, Kinderklinik

Gefährliche Challenge

20-Tage-Nulldiät kann körperliche und seelische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen beeinträchtigen

Während die „Ice Bucket Challenge“ im Sommer 2014 noch das karitative Ziel verfolgte, auf die Nervenkrankheit Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) aufmerksam zu machen und Spenden zu sammeln, handelt es sich bei der aktuellen „20 Day Water Challenge“ nur um einen Aufruf zur Diät. „Dieser Wettstreit ist nicht ganz ungefährlich“, findet Prof. Dr. Joachim Wölfle, Direktor der Kinder- und Jugendklinik des Universitätsklinikums Erlangen. „Über die sozialen Netzwerke werden unter anderem Kinder und Jugendliche dazu animiert, 20 Tage lang nur Wasser zu sich zu nehmen. Solche Nulldiäten erzielen schon bei Erwachsenen häufig nicht den gewünschten langfristigen Effekt – bei Heranwachsenden kann sich diese drastische Ernährungsform darüber hinaus negativ auf ihre Entwicklung auswirken.“ Denn: Bei einer Nulldiät werden dem Körper nicht nur Kalorien vorenthalten, sondern auch wichtige Nährstoffe. „Hinzu kommt die Gefahr, dass Kinder und Jugendliche eine falsche Körperwahrnehmung und dauerhafte Essstörungen entwickeln“, erläutert Prof. Wölfle.

Kindern und Jugendlichen, die tatsächlich abnehmen sollten, da sie Übergewicht oder sogar Adipositas haben, empfiehlt Joachim Wölfle keine Diät, sondern ein Programm mit fachkundiger Beratung und Anleitung. „Ausschließlich seine Essgewohnheiten zu ändern, hat meist nur einen kurzfristigen Effekt auf die Gewichtsentwicklung“, weiß der Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. „Betroffene beziehungsweise deren Eltern sollten professionelle Hilfe in Anspruch nehmen und neben der Ernährung auch andere Aspekte des Lebensstils verändern, beispielsweise mehr Bewegung in den Alltag integrieren.“ Von klassischen Diäten rät Prof. Wölfle während der Wachstumsphase explizit ab und empfiehlt die Optimierte Mischkost. „Das ist eine wissenschaftlich begründete, gesunde Nahrungszufuhr, die gleichzeitig die Chance für eine langfristige Prävention ernährungsbedingter Gesundheitsrisiken mit sich bringt“, erklärt der Experte. „Der Organismus von Kindern und Jugendlichen, der sich ja noch entwickelt, reagiert besonders empfindlich auf Mangelzustände. Das kann durchaus in eine erhebliche Bedrohungssituation für den Betroffenen münden.“

Ein alter Bekannter: der Jo-Jo-Effekt

Auch Erwachsene sollten sich des Risikos bewusst sein, das bekanntermaßen mit Nulldiät-Programmen einhergeht: In vielen Fällen tritt ein Jo-Jo-Effekt ein, bei dem sich der (große) Gewichtsverlust nach Beendigung der Diät rasch wieder verliert; hierdurch kann es ohne begleitende Änderung von Alltagsverhalten und Lebensstil langfristig sogar zu einer Gewichtszunahme kommen.

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Joachim Wölfle
Telefon: 09131 85-33112
E-Mail: ki-direktionatuk-erlangen.de

 

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